König der Blinkverweigerer

Dezember 11, 2008 von gedankenstopp

Wenn man sich über jemanden aufregt, sollte man immer im Hinterkopf behalten, das jede Gruppe ihren Anführer hat. Dem Anführer der Blinkverweigerer bin ich heute begegnet: Er sah, das ich aus der Seitenstrasse kommen wollte, doch von ihm bis zu seinem Vordermann war nicht genug Platz, um mich einscheren zu lassen. Also macht er langsam, aber der platz reiht immer noch nicht für mich. Er blinkt rechts, um mir zu sagen das er abbiegen will – also kann ich raus. In dem Moment als ich hinausfahre, hört er auf zu blinken, fährt bis an die Kreuzung, aus der ich komme, so das ich denke, das es gleich scheppert – und biegt ab.
Da setzt er den Blinker, um aller Welt mitzuteilen: „Ich biege gleich ab“, und macht sich die Mühe, noch vor dem abbiegen den Blinker wieder abzuschalten, damit er ja nicht mit aktivem Blinker von seinen Untertanen gesehen wird….
Strom sparen ? Die Blinkerrelais schonen ? Was sollte das !?

Treppe

November 19, 2008 von gedankenstopp

Sie kommt seit einem Jahr in den Verein. Italienerin, klein und zierlich. Stets höflich und zurückhaltend. Fast schüchtern. Die Implantate ließen ihre Brüste auf die größe ihres Kopfes anwachsen. Grotesk. Ein Püppchen. Sie ist Freundlichkeit nicht gewohnt, reagiert unsicher. Und doch lächelt sie immer, dankbar für jede Aufmerksamkeit. Einmal war ihr ganzer Arm blau, fast schwarz. Alte Blutergüsse. Sie ist die Treppe heruntergefallen, meint sie und geht weiter.  Seit einem Jahr kommt sie und es war die einzige Blessur, die sie hatte. Wird wohl nicht regelmäßig Probleme mit der Treppe haben. Trotzdem weiß man es nicht – allein die Möglichkeit läßt Mitleid mit ihr aufkommen. Scheiße.

Kollektiver Jetlag

Oktober 16, 2008 von gedankenstopp

Bald. Dann ist es wieder soweit: Zeitumstellung. Ein Thema für alle! Wann sonst hat man etwas, worüber man mit absolut Fremden reden kann und so einstimmiger Meinung ist ? Ein wunderschöner Beitrag zur Wahrung des nationalen Zusammenhaltes. Ich freu’ mich schon. Von wegen Nutzlos !

Blinkverweigerer

Oktober 6, 2008 von gedankenstopp

Geht es euch auch so: Der Wagen vor euch biegt ab – und blinkt nicht. Aus der Seitenstrasse kommt einer – ohne zu blinken.
Es mag schon früher so gewesen sein, aber dieses Jahr ist es mir besonders aufgefallen. Die unermessliche Mühseligkeit der Betätigung des
Blinker-Hebels ist dem Autofahrer zu schwer geworden. Das Recken des linken, kleinen Fingers in Richtung des kleinen, seitlichen Hebels und eine Betätigung desselben überfordert die physischen Fähigkeiten der meisten Autofahrer. Ist es eine neue Religion der „Unerwarteten Abbieger“ oder eine enorme Expansion einer fernöstlichen Geheimorganisation, deren Mitglieder bei verstößen gegen die Organisationsregeln gerne mal auf einen kleinen Finger verzichten müssen ? Ich weiß es nicht – aber ich werde es weiter beobachten.

Gladio

September 26, 2008 von gedankenstopp

Nur mal so zum drüber nachdenken:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28767/1.html

Wertvoll

September 2, 2008 von gedankenstopp

Wieviel ist ein Menscheneben wert ? Unbezahlbar ? Diese Frage habe ich mir letzte Woche gestellt. Ich war grade Einkaufen und wollte mein T-Shirt-Sammlung um ein weiteres Exemplar bereichern. Das Objekt meiner, äh, Planung war ein gut passendes, nicht mit Produktwerbung vollgepflastertes eines, mit angenehmer Farbe. „Made in China“. Nun herrschen in china bekanntlich ja nicht unbedingt die besten Arbeitsbedingungen: Die Baumwolle für die Textilien wird auf Feldern gepflückt, die, während die Arbeiter die Baumwolle einsammeln, parallel mit Insektenvernichtungsmittel besprüht werden. Die Arbeiter selber kriegen von den ganzen Giften die interessantesten Krankheiten, der Lohn reicht, wenn überhaupt, grade mal zum Leben. Wohnen müssen sie in klapprigen Holzverschlägen in denen sie an den paar Stunden des Tages, an denen sie nicht arbeiten müssen, versuchen können zu schlafen.
Kommt die Baumwolle in der Fabrik an, werden gerne Kinder genommen, um sie weiter zu verarbeiten. Das diese Kinder auch keine sonderlich guten Lebensaussichten haben, braucht man wohl nicht extra zu erwähnen.
Zurück zum T-Shirt: Mit dem Kauf dieses Shirt würde ich also das ganze Menschenverachtende System unterstützen oder ich könnte nach nebenan zum Öko-Shop gehen und mir dort eines kaufen – kostet nur 5 Euro mehr.
Wieviel ist also ein Menschenleben wert ? Bei mir war der Kurs an diesem Tag bei 5 Euro – ich habe das T-Shirt „Made in China“ gekauft.

Alptraum

Juli 31, 2008 von gedankenstopp

Ich bin alt und ich liege im sterben. Ausgestreckt auf einer alten Liege, die bei jeder bewegung leise quietscht, spüre ich, wie jeder Atemzug mich dem tot ein stückchen näher bringt. Und es ist nicht mehr weit bis dahin. Auch meine Kinder, die mich die letzten Jahre gepflegt haben, haben das längst bemerkt. Vorsorglich wurde schon der Bestatter informiert, damit alles, wenn es soweit ist, auch zügig über die Bühne geht. Der hat aber etwas falsch verstanden und jetzt warten die beiden, die mich abholen sollen, im Nebenzimmer und schauen genervt zur Uhr. Ich kann sie durch einen Spalt in der Türöffnung gut beobachten. Grade wollen sie aufstehen und gehen, da flüstert mein Sohn ihnen zu: „Warten sie doch noch, es kann nicht mehr lange dauern.“ Nein, lange dauert es bestimmt nicht mehr – und ich beeile mich ja auch…

Die anderen

Juli 24, 2008 von gedankenstopp

In der ersten Schulklasse waren wir ein ziemlich gemischter Haufen: jungs, mädels, deutsche, franzosen, polen und eine Thai. In den Pausen lachten wir gemeinsam, nach der Schule spielten wir gemeinsam. Irgendwann meinte unsere Lehrerin während des Unterichts, wir sollten unsere Thai nicht ärgern oder beschimpfen, nur weil sie anders ausschaut als wir.
Das war ein neuer Gedanke: jemanden beschimpfen, weil er anders ausschaut ?
Meine erste Begegnung mit Fremdenfeindlichkeit.

P.S:
Wir haben auch weiterhin gemeinsam gespielt ohne gross über den Kommentar der Lehrerin nachzudenken.

Nachrichten

Juli 11, 2008 von gedankenstopp

Berlin:
Unbestätigten Gerüchten zufolge, plant die Bundesregierung eine Ausweitung der Gesetze zur Terrorabwehr. So sollen, in den nächsten Jahren, allen Bundesbürgern kleine RFID-Chips implantiert werden, die Namen, Adresse und einige andere Daten enthalten. Nach einer kurzen eingewöhnungsphase soll die Implantation, bereits direkt nach der Geburt, schon im Krankenhaus, stattfinden.

„Diese neue Prozedur ist nicht direkt zur Abwehr von Gefahren gedacht, „, so ein Informant, “ sondern vielmehr eine Art Charme-Offensive der Bundesregierung. Das Verhältnis zwischen Staat und Bürger soll wieder persönlicher werden. Es ist doch ein angenehmes Erlebnis, wenn man schon beim betreten eines Amtes direkt mit Namen begrüßt wird oder auf der Strasse von einem Streifenpolizisten angehalten wird, der einem zum Geburtstag gratuliert. Oder zumindest, im Falle von uns Männern, an den Geburtstag der Ehefrau erinnert.“

Obwohl Datenschützer im ersten Moment Skepsis äußerten, mußten einige zugeben, das die Vorteile eines solchen Verfahrens, gegenüber den Nachteilen, zu überwiegen scheinen.

Entwöhnung

Juli 4, 2008 von gedankenstopp

Ich habe drei Jahre lang geraucht – bis anfang dieses Jahres. Es war keine geplante Entscheidung aufzuhören, vielmehr die Faulhaut Abends nochmal loszutigern und neuen Tabak zu holen. Und nachdem man ja schon einen ganzen Abend auf den Qualm verzichtet hat, den ganzen nächsten Tag ständig auf Achse war, so das es nicht wirklich Gelegenheit gab, sich mit wieder einzudecken, habe ich mir überlegt, das ich doch eigentlich dann auch ganz aufhören könnte. Das war vor sechs Monaten.

Man sagt ja, das das schlimmste an der Nikotinsucht die geistige Abhängigkeit ist – kann ich nur bestätigen. Grade die täglichen Rituale bringen die Erinnerung an eine entspannende Zigarette wieder hoch. Ich habe jetzt, für mich, eine gute möglichkeit gefunden, damit umzugehen: Meine liebste Zigarette, war immer die Feierabend-Kippe. Wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, gemütlich am Dachfenster stehen und im dunste des blauen Qualms, den Tag nochmal Revue passieren zu lassen.
Das habe ich vor zwei Wochen wieder gemacht, doch statt einer Zigarette, gab es eine dicke Zigarre, an der ich so lange gezogen habe, bis mir (richtig) schlecht geworden ist. Seitdem muß ich in dieser, und ähnlichen) Situationen nicht mehr an eine kleine Zigarrette denken, sondern nur noch an die fette Havanna inklusive Rauchgeschmack im Mund und Übelkeit.

Für mich eine sehr wirksame Methode der De-Programmierung.